Klosterneuburgs Weißer Hof: Sorge vor Privatisierung bleibt

NÖN.at, Klosterneuburg

EINZIGARTIGES REHAZENTRUM

Klosterneuburgs Weißer Hof: Sorge vor Privatisierung bleibt

Gewerkschaft fürchtet weiter Verschlechterungen für Personal und Patienten. Ausschreibung zum Verkauf in Vorbereitung.

Im Oktober letzten Jahres verkündete Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner: „Die Zukunft des Weißen Hofs als Gesundheitseinrichtung ist gesichert“. Der Plan: Der Weiße Hof wird verkauft, Land Niederösterreich, Allgemeinde Unfallversicherung (AUVA) und Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zahlen für Bettenkontingente.

Das ruft weiter Kritiker auf den Plan, die bei einem privaten Träger um die Qualität der Gesundheitssorge fürchten. „Zu wenig, dadurch überfordertes Personal, es leiden Personal und Patienten“, klagt Gewerkschafter und SP-Nationalrat Rudolf Silvan.

„Der Weiße Hof ist europaweit eines der Reha-Zentren, die schwere Schädel-Hirn-Traumata, Querschnittslähmungen behandelt und in hoher Zahl wieder ins Berufsleben zurückgebracht hat“, führt Silvan ins Treffen. „Ein Privater kann und will sich das nicht leisten.“

Verkauf ist in Vorbereitung
„Die Liegenschaft wird im Rahmen eines öffentlichen, transparenten Verwertungsverfahrens feilgeboten, die Ausschreibung befindet sich derzeit in Vorbereitung“, erklärt die AUVA auf NÖN-Anfrage.

Umfassende Rehabilitations-Leistungen werden in Zukunft im neu entstehenden Traumazentrum Wien – Standort Meidling angeboten, wie auch Gesundheitsminister Johannes Rauch in Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage ausführt.

Am Weißen Hof will die AUVA ihr Bettenkontingent für zwei Schwerpunkte nutzen, die beide der Erhaltung der Aktivität dienen. Zum einen als Betreuungsangebot mit dem Schwerpunkt Pflege: Nach einem Reha-Verfahren bis zur Sicherstellung einer Pflegeversorgung, aber auch bei vorübergehender Einschränkung der Betreuung zu Hause.

Zum zweiten erfolgt die Nutzung als Gesundheitsvorsorge für nach Arbeitsunfall oder Berufskrankheit dauerhaft Versehrte. Das Ziel: Erhaltung der Aktivität mit den Schwerpunkten Bewegungsoptimierung und -motivation sowie mentale Gesundheit.

Mitarbeiter bleiben in Dienst der AUVA
Alle neu eingestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten bereits seit längerer Zeit Dienstverträge für die Standorte Klosterneuburg und Wien, erklärt die AUVA. Jene, deren Vertrag ursprünglich ausschließlich für Klosterneuburg abgeschlossen wurde, erhalten die Garantie, dass ihnen eine passende Stelle in Meidling angeboten wird.

Quelle: https://www.noen.at/klosterneuburg/einzigartiges-rehazentrum-klosterneuburgs-weisser-hof-sorge-vor-privatisierung-bleibt-klosterneuburg-print-weisser-hof-rehazentrum-auva-350844603 mit Stand vom 20.01.2023 um 13:05 Uhr

Parlamentarische Anfrage – „mögliche Privatisierung Weißer Hof“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir dürfen euch darüber informieren, dass es eine neue parlamentarische Anfrage an den Herrn Gesundheitsminister, Johannes Rauch, gibt.

Diese Anfrage wurde betreffend einer möglichen Privatisierung des Weißen Hofes der AUVA gestellt.

Anbei findet Ihr den Link mit dem Ihr direkt zu der Anfrage gelangt:

Parlamentarische Anfrage – mögliche Privatisierung Weißer Hof (klick mich!)

Eure Betriebsräte

Gestörte Ruhe um Reha-Zentrum

Quelle: www.wienerzeitung.at, Nachrichten, Politik, Österreich

Gestörte Ruhe um Reha-Zentrum

Neue Weichenstellung für Weißen Hof ist praktisch fix. Sozialminister Rauch hat keinen Einwand.
vom 03.01.2023, 14:58 Uhr | Update: 03.01.2023, 15:23 Uhr

Bereits im November 2021 waren die Pläne in der „Wiener Zeitung“ zu lesen. Das bestehende Reha-Zentrum in Klosterneuburg soll mit dem Land Niederösterreich, der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mit einem privaten Betreiber ab 2026/27 als Einrichtung mit einem speziellen Pflegeangebot weiter genutzt werden. Denn die AUVA baut schon jetzt in Etappen ein neues Trauma-Zentrum in Wien-Meidling auf, was eine Umstrukturierung für den Weißen Hof zur Folge hat.

Im Oktober des Vorjahres sah dann Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) mit einem Kooperationsvertrag des Landes Niederösterreich mit der AUVA und der PVA den Standort Weißer Hof als Gesundheitseinrichtung „sichergestellt“. Allerdings schmeckt vor allem der Gewerkschaft das alles gar nicht, weil ein privater Betreiber mit im Spiel ist und man um Arbeitsplätze fürchtet. Erst recht gilt das wenige Wochen vor der Landtagswahl in Niederösterreich am 29. Jänner.

Jetzt gibt es diesbezüglichen einen gehörigen Dämpfer für die Kritiker. Die aktuelle Antwort von Sozial- und Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage der SPÖ trägt zu neuerlicher Unruhe um das bundesweit bekannte Reha-Zentrum in Klosterneuburg bei. Der Ressortchef lässt darin recht unmissverständlich durchblicken, dass er keine Einwände gegen die Pläne zur Nachnutzung des Weißen Hofes nach der Übersiedlung der akuten Reha-Versorgung nach Meidling hat. Das Ministerium ist Aufsichtsorgan, verweist aber darauf, dass es formal noch keinen AUVA-Beschluss gebe, den man prüfen müsse.

Minister plant keinen runden Tisch mehr
Rauch stellt aber in der Antwort an die SPÖ klar, dass kein runder Tisch zur Zukunft des Weißen Hofes geplant sei, während sein Vorvorgänger Rudolf Anschober (Grüne) das noch angekündigt hatte. Grundsätzlich steht Rauch hinter dem Umstrukturierungsplan. Aus Patientenperspektive sei darauf hinzuweisen, dass die Behandlungskapazitäten des Reha-Zentrums Weißer Hof „nicht entfallen“, sondern „in einer qualitativ höherwertigen Weise“ am neuen Standort Meidling bereit gestellt werden sollen.

Daraus folge für die im Weißen Hof Beschäftigten die Möglichkeit einer weiteren Tätigkeit am neuen Standort beziehungsweise deren Übernahme durch den neuen Betreiber, teilte er mit. Die Partner des Kooperationsvertrags aus dem Vorjahr hätten ein Kontingent von 150 Betten für den bisherigen Standort in Klosterneuburg festgestellt, betonte der Sozialminister.

Weiterer Protest der Gewerkschaft vor der Wahl
Das stößt allerdings auf Einwände nicht nur der Gewerkschaft. Niederösterreichs SPÖ mit dem Spitzenkandidaten bei der Landtagswahl, Landeshauptmannstellvertreter Franz Schnabl, unterstützt die Kritik an einer Privatisierung der künftigen Gesundheitseinrichtung in Klosterneuburg. „Der Weiße Hof muss in öffentlicher Hand bleiben“, verlangte er.

Im Landtagswahlkampf bleibt das Thema auf dem Tapet. Der niederösterreichische SPÖ-Parlamentarier und Bau-Holz-Gewerkschafter Rudolf Silvan kündigt im Gespräch mit der „Wiener Zeitung“ weiteren Protest an, weil er eine schlechtere Entlohnung für die Beschäftigten und auch keine Verbesserungen für Patienten erwartet. Der SPÖ-Politiker verweist darauf, dass Transparency International eine fortschreitende Privatisierung des Gesundheitsbereichs beklage. „Es ist ein negatives Leuchtturmprojekt für Privatisierungen im Gesundheitswesen“, formuliert Silvan.

Bisher war der Weiße Hof eine Topadresse für die Rehabilitation von Unfallopfern. Tatsache sei, dass der Standort in eine Übergangspflegeeinrichtung umgewandelt werde, meint der SPÖ-Nationalratsabgeordnete. Dort würden Patienten, die aus dem Spital kommen, übergangsweise untergebracht und versorgt. „Es ist eine komische Geschichte“, urteilt Silvan. Der private Betreiber könne sich jedenfalls freuen. Denn dieser bekomme vom Land und der AUVA die Zahl der künftigen Betten garantiert.

Differenzen auch um die Finanzierung
Eine weitere Antwort des Sozialministers wird die SPÖ ebenfalls wenig freuen. Zu Beginn des neuen Jahres ist eine Senkung der Unfallversicherungsbeiträge der Betriebe von 1,2 auf 1,1 Prozent des Bruttolohns in Kraft getreten, was die Koalition als Beitrag zum Anti-Teuerungspaket ansieht.

SPÖ und Gewerkschaft sind hingegen besorgt wegen der Finanzierung. Der Sozialminister steht bis zur Neuwahl zur jetzigen Regelung. „Eine grundsätzliche Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen der AUVA hinsichtlich ihrer Beitragsaufbringung und ihres Leistungsportfolios ist im Regierungsprogramm der laufenden Gesetzgebungsperiode nicht enthalten“, ließ er in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage wissen.

Quelle: https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/2173458-Gestoerte-Ruhe-um-Reha-Zentrum.html mit Stand 09.01.2023 um 11:41 Uhr